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Ein friedliches Miteinander in der Schule ist möglich

Konzept für erfolgreiche Integration: die Interkulturelle Waldorfschule Mannheim

(Stuttgart/Mannheim) – Die offene Aggression, mit der durch ihre Herkunft benachteiligte Jugendliche auch in der Schule ihrer Frustration über Ausgrenzung und mangelnde Zukunftsperspektiven Ausdruck geben, ist Besorgnis erregend. Das haben die Vorfälle an der Berliner Rütli-Hauptschule einmal mehr vor Augen geführt. Vor allem die Integration von Kindern aus Migrantenfamilien in die deutsche Gesellschaft wird immer schwieriger. Die Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim, eine Ganztagsschule mit sozial-integrativem Ansatz, ist mit ihrem zukunftsweisenden pädagogischen Konzept ein Beleg dafür, dass Kinder unterschiedlicher Herkunft, Nationalität und Religionszugehörigkeit friedlich miteinander lernen und leben können.

Die Vorfälle an der Berliner Rütli-Schule im Bezirk Neukölln, so wird mehr und mehr deutlich, sind kein Einzelfall. Auch die Mannheimer Neckarstadt ist ein Stadtteil mit großem Migrantenanteil, hoher Arbeitslosigkeit und gravierenden sozialen Problemen. Dass es an der Freien Interkulturellen Waldorfschule Mannheim, die in diesem Brennpunktgebiet liegt, auch einmal zu Verhältnissen wie in Berlin kommen könnte, hält Klassenlehrer und Schulvorstandsmitglied Christoph Doll jedoch für sehr unwahrscheinlich. An der noch jungen, im Jahr 2003 gegründeten Ganztagsschule gibt es zwar bislang erst die Klassen eins bis fünf, doch das innovative, zukunftsweisende Konzept der Schule, das Waldorfpädagogik um einen interkulturellen und sozial-integrativen Ansatz erweitert, stellt nachhaltig die Weichen für ein tolerantes Miteinander der Kulturen. „Ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kultur, Nationalität, Religion und sozialer Herkunft zu erreichen, ist möglich, wenn man früh mit der Integration anfängt, alle Beteiligten das wollen und es keine gegenseitige Abschottung gibt“, so Christoph Doll.

An der Interkulturellen Waldorfschule in der Neckarstadt lernen derzeit rund 100 Schülerinnen und Schüler aus zwölf Nationen miteinander und voneinander. Für den größten Teil der rund 50 Prozent Schüler mit Migrationshintergrund ist Türkisch die Muttersprache. Auch der soziale Hintergrund, also Bildung, Beruf und gesellschaftlicher Statuts der Eltern differiert stark. Wenn Eltern sich das Schulgeld nicht leisten können, kommt die Schule ihnen so gut es geht entgegen. Als einen wesentlichen Pfeiler des integrativen Schulkonzepts nennt Christoph Doll den intensiven Sprachunterricht. Eine Innovation seiner Schule sei der „begegnungssprachliche Unterricht“. So wie in der Waldorfpädagogik üblich, lernen die Kinder ab der ersten Klasse zwei Fremdsprachen. Neben Englisch können die Kinder an der Mannheimer Schule zusätzlich Polnisch, Russisch, Türkisch, Kroatisch oder Spanisch wählen, also eine der Sprachen, die viele von ihnen bereits als Muttersprache kennen gelernt haben. Die Kinder lernen ihre Begegnungssprache altersübergreifend von Klasse eins bis drei. Auf dem Pausenhof oder beim Mittagessen wird aber in der Regel deutsch gesprochen. „Die Kinder blühen in diesem Sprachunterricht, in dem sie die Möglichkeit haben ihr Können zu zeigen, regelrecht auf. Es wird ihnen, noch bevor sich Vorurteile bilden können, durch das spielerische Kennenlernen einer anderen an der Schule vertretenen Sprache und Kultur vermittelt, dass das Fremde nichts Bedrohliches ist“, so Doll. In dieselbe Richtung zielen auch die Angebote, in denen Musik, Tänze und Lieder anderer Kulturen vermittelt werden. Interkulturelle Themen werden durchgängig in den Unterrichtsstoff und in die verschiedenen Projekte und Gruppenaktivitäten eingebunden. Auch das Lehrerkollegium ist international. Die Ganztagsschule, die mit 25 Schülern relativ kleinen Klassen und das für die Waldorfpädagogik bezeichnende Prinzip eines Klassenlehrers bis zur achten Klasse, ermögliche, so Doll, eine intensive und individuelle Förderung und Betreuung der Schüler. Auf einen engen Kontakt zu den Eltern wird großer Wert gelegt. Das innovative Konzept der Schule entspricht neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen interkultureller Pädagogik und wird derzeit vom Münchner Institut für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung evaluiert.

Am wichtigsten für eine erfolgreiche gemeinsame Erziehung von Kindern unterschiedlicher Kultur und Herkunft findet Christoph Doll jedoch, dass im Umgang miteinander Kontinuität, Verbindlichkeit, Respekt und das Ernstnehmen des Gegenübers, seien es Schüler, Eltern oder Lehrer, gepflegt werden: „Das, was wir als Erziehung zur Toleranz anbieten, leben wir auch.“ zk-cg

Über den Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Die deutschen Waldorfschulen haben sich zu einem Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr. Korporative Mitglieder sind derzeit 197 Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen sowie acht Seminare/Hochschulen für Waldorfpädagogik. Daneben gibt es rund 2.700 persönliche Mitglieder.
Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart eröffnet. Nach 87 Jahren Waldorfpädagogik gibt es heute weltweit über 900 Waldorfschulen sowie 2.000 Kindergärten und Förder-Einrichtungen.

Herausgeber:     

Bund der Freien Waldorfschulen, Thekla Walker, Wagenburgstraße 6, 70184 Stuttgart, Tel. 0711-2104225, walker@waldorfschule.de

Redaktion:

Zeeb Kommunikation, Anja Dowidat, Hohenheimer Str. 58a, 70184 Stuttgart, Tel. 0711-6070719, info@zeeb.info 

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