Waldorfschüler zeichnen sich häufig bei renommierten Wettbewerben aus
Forschergeist, Geschäftssinn und musisches Talent
(Stuttgart) – Nicht nur in musischen Fächern, sondern gerade auch wenn es um Technik, Naturwissenschaften und unternehmerische Kompetenzen geht, sind Waldorfschüler überdurchschnittlich erfolgreich. Das belegen nicht zuletzt die Preise, mit denen Waldorfschüler aus ganz Deutschland im Verlauf dieses Jahres bei renommierten Wettbewerben ausgezeichnet wurden.
Dass Waldorfschüler sich in kreativ-künstlerischen Bereichen oftmals hervortun, ist nicht weiter verwunderlich. Nimmt die Ausbildung und Förderung der Schüler in musischen Fächern, beispielsweise der Musik, in der Waldorfpädagogik doch einen besonders hohen Stellenwert ein. So ist etwa Gregor Wilken (13), Schüler der Rudolf Steiner Schule in Hamburg-Nienstedten, für sein Violinspiel mit dem dritten Preis beim 42. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ ausgezeichnet worden.
Aber auch auf naturwissenschaftlichen, technischen und unternehmerischen Fachgebieten sind Waldorfschüler überdurchschnittlich erfolgreich. Das belegen Auszeichnungen, mit denen Schüler aus Stuttgart, Hamburg und Darmstadt für ihre innovativen, pfiffigen Ideen und Erfindungen gewürdigt wurden. Justus Menzel, der die Rudolf Steiner Schule in Hamburg besucht, ist Teil einer Schülergruppe, die den ersten Preis im Fachgebiet Arbeitswelt beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ im April bekommen haben. Der 17-Jährige und seine beiden Freunde haben eine neue Anordnung der Buchstaben auf der Schreibmaschinen- und Computertastatur ausgetüftelt, mit der sich die Schreibgeschwindigkeit um bis zu 25 Prozent steigern lässt. „Die herkömmliche Tastatur wurde vor 130 Jahren für Schreibmaschinen entwickelt, und zwar so, dass man möglichst langsam tippen musste, damit sich die Tasten nicht verhakten“, erklärt Justus Menzel. Die drei Schüler sind nicht nur erfinderisch, sondern auch geschäftstüchtig und wollen ihre preisgekrönte Tastatur auch vermarkten.
Bei dem Bundeswettbewerb „Jugend gründet“, wo Jugendliche ihre Fähigkeiten als Jung-Unternehmer unter Beweis stellen, haben es Lennart Grumer (20) von der Freien Waldorfschule am Kräherwald in Stuttgart und sein Team in einem Feld von 1.500 Teilnehmern in die Endrunde geschafft. Der Businessplan und das Marketingkonzept für den lösungsmittelfreien, umweltverträglichen Klebstoff, den einer der Jugendlichen aus dem Raum Stuttgart im Rahmen von „Jugend forscht“ entwickelt hatte, war der Jury den dritten Platz wert. „Wir haben für unser fiktives Unternehmen Creative New Productions CNPro eine Corporate Identity entwickelt, aber auch ein sozialverträgliches Unternehmenskonzept, das dennoch eine 15-prozentige Umsatzrendite abwirft“, sagt Lennart Grumer (20).
Eine Schülerin und drei Schüler der 12. Klasse der Darmstädter Waldorfschule gewannen im Juni den ersten Preis beim Darmstädter Schülerforum 2005, zu dem der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) Schüler aus der Region eingeladen hatte. Das Schülerforum soll das Verständnis für Natur und Technik bei Jugendlichen der Jahrgangsstufen neun bis zwölf fördern. Veronika Apel, Jonathan Binas, Johannes Gantner und Mark-Felix Schütz haben eine funktionstüchtige Solarzelle konstruiert, die aus Heidelbeersaft, dem Graphit einer Bleistiftmine und zwei nanobeschichteten Glasplatten besteht. Anlass für das Forschungsprojekt gab der Biologieunterricht, genau gesagt die Beschäftigung mit der Fotosynthese von Pflanzen. Zudem hatten die vier Schüler an einem Workshop im Bionik-Zentrum der TU Darmstadt teilgenommen.
Die Erfolge dieser Schüler bestätigen den pädagogischen Ansatz der Waldorfschule. In der Mittel- und Oberstufe gehören nicht nur Betriebs- und Sozialpraktika selbstverständlich zum Lehrplan, sondern auch das Löten von Schaltungen, das Bauen eines Elektromotors, Seifekochen und Kalkbrennen, Landvermessung und Computer-Unterricht. Dieses Wissen bildet die solide Grundlage für den anschließenden Theorie-Unterricht, getreu dem Waldorf-Motto „Lernen durch Tun“.
zk-cg
Über den Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Die deutschen Waldorfschulen haben sich zu einem Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr. Korporative Mitglieder sind derzeit 187 Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen sowie acht Seminare/Hochschulen für Waldorfpädagogik. Daneben gibt es rund 2.700 persönliche Mitglieder.
Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart eröffnet. Nach 85 Jahren Waldorfpädagogik gibt es heute weltweit rund 900 Waldorfschulen sowie 2.000 Kindergärten und Förder-Einrichtungen.
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