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Pädagogisches Konzept mit Zukunft

(Stuttgart) - Mit einer großen Abschlussveranstaltung, zu der Schüler und Lehrer aus ganz Deutschland angereist waren, ging die bundesweite Aktionswoche der Waldorfeinrichtungen anlässlich des 85-jährigen Jubiläums der Waldorfpädagogik am Samstag, 2. Oktober, in Stuttgart zu Ende. Eine Erlebnismeile demonstrierte praxisnah das Waldorf-Konzept; das bunte Programm auf der Großbühne auf dem Marktplatz begeisterte rund 4.000 Besucher. Podiumsdiskussionen vermittelten Einblicke in die bildungspolitische Debatte; Bundesinnenminister Otto Schily sprach sich für einen fairen Wettbewerb sowie gleiche finanzielle Bedingungen für staatliche Schulen und Schulen in freier Trägerschaft aus. 

Am Stuttgarter Schlossplatz wehten die Fahnen mit dem Leitspruch der Waldorfpädagogik "Im Mittelpunkt der Mensch“, Luftballons in warmem Rot kündigten schon von weitem die Erlebnismeile in der Kronprinzstraße an. Auch der Ort, an dem die Waldorfbewegung 1919 ihre erste Unterrichtsstätte eröffnete, die Waldorfschule auf der Stuttgarter Uhlandshöhe, freute sich über zahlreiche Besucher. Unübersehbar stand am Tag der großen Abschlussveranstaltung der bundesweiten Aktionswoche, mit der in fast 200 Städten das 85-jährige Jubiläum der Waldorfpädagogik gefeiert wurde, ganz Stuttgart im Zeichen von Waldorf. Das Schülerzirkusfestival am Landespavillon war umlagert von Fans jeder Altersklasse. Auch in der Kronprinzstraße herrschte dichtes Gedränge: Hier demonstrierten Waldorfschulen aus Baden-Württemberg anschaulich und mit praktischen Beispielen, warum und in welchem Umfang die handwerklichen und kreativen Tätigkeiten ein so wichtiger Bestandteil der Waldorfpädagogik sind. Vor allem die Kinder unter den Besuchern nahmen das Angebot, mitzumachen und unter Anleitung selbst etwas zu gestalten, begeistert auf.

Bei neun hochkarätig besetzten Podiumsgesprächen zum "Brennpunkt Bildung“ diskutierten Experten und Besucher über aktuelle bildungspolitische Fragen. Dass Expertenrunden ganz und gar nicht trocken sein müssen, stellte die Runde unter Beweis, die in der Staatsgalerie über Sprache und Literatur im Informationszeitalter debattierte, darunter der Schriftsteller Moritz Rinke und der Performance-Poet Timo Brunke. Wie brisant das Thema dieses Podiums, "Erziehung zum Frieden“, in der globalisierten Welt am Beginn des dritten Jahrtausends ist, machten der ARD-Sonderkorrespondent Christoph Maria Fröhder und die Lehrerin Lorna Davis deutlich. Fröhder berichtete von seinen Reportereinsätzen in Bagdad, Davis über den von Gewalt geprägten Schulalltag in einem Township in Südafrika.

Der am meisten gefragte Gast unter den Podiums-Teilnehmern war Otto Schily. Bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn standen die Besucher im Foyer des Neuen Schlosses an, um die Meinung des Bundesinnenministers zum Thema "Freie Bürger - freie Schulen“ zu hören. Was Schily, selbst kein ehemaliger Waldorfschüler, sowohl beim Podiumsgespräch als auch im anschließenden Interview auf der Großbühne bekundete, fand den begeisterten Beifall der Waldorfschüler- und -pädagogen, die aus ganz Deutschland nach Stuttgart gekommen waren: Er plädierte für die freie Schulwahl und dafür, dass die Politik den fairen Wettbewerb zwischen den staatlichen und den privaten Schulen garantieren müsse; staatlichen Unterrichtsstätten und Schulen in freier Trägerschaft müssten gleiche finanzielle Bedingungen geboten werden. „Wer Musikschulen schließt, schadet der Inneren Sicherheit“, hatte der Innenminister bereits früher konstatiert. Diesen Satz wiederholte er bei der Abschlussveranstaltung, um auf die Bedeutung der musischen Bildung hinzuweisen. Die Waldorfpädagogik sehe er als zukunftweisend an, weil sie die seelischen, die musischen, die leiblichen und die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen gleichermaßen ausbilde. Auch dem Stellenwert des Praktischen in der Waldorfpädagogik stimmt der Minister zu: „Ich finde es gut, dass Jungs stricken lernen.“

Auf der Großbühne auf dem Stuttgarter Marktplatz, wo von 15 bis 19 Uhr ein bunt gemischtes Programm aus Musik, Akrobatik und Interviews geboten wurde, konnte Moderatorin Tatjana Geßler von der SWR Landesschau weitere prominente Gäste begrüßen. Auch wenn Pop-Star Ben wegen seines Auftritts bei "Wetten dass“ abgesagt hatte, waren die rund 4.000 Besucher auf dem Markplatz begeistert. Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster lobte die vorbildliche Arbeit der Waldorfschulen, das ganzheitliche Konzept, die differenzierte Förderung, aber auch den Gemeinschaftssinn der Waldorfpädagogik. Was die finanzielle Gleichstellung mit öffentlichen Schulen angeht, verwies Schuster auf die Zuständigkeit des Landes. Die Stadt tue bereits sehr viel und sei auch bereit, sich noch mehr zu engagieren. Der Oberbürgermeister unterstrich die Bedeutung der Internationalität in der Waldorfbewegung. Man könne nicht nur Autos exportieren, sondern müsse Verantwortung für die Welt übernehmen, genau das tue Waldorf.

Ein beeindruckendes Beispiel für die Solidarität und das Engagement der Waldorfschüler lieferte das Ergebnis des diesjährigen Waldorf-One-World-Day, kurz WOW-Day. Indem sie Waffeln verkaufen, Autos putzen, in Betrieben mitarbeiten, sammeln Schüler aus ganz Europa Geld für einen guten Zweck. Beeindruckende 254.626,70 Euro trugen allein die deutschen Waldorf-Schüler bei, wie Walter Hiller, der Geschäftsführer des Bundes der freien Waldorfschulen, gegen 17 Uhr auf die Schiefertafel auf der Bühne notierte. Hiller überreichte der südafrikanischen Lehrerin Lorna Davis einen symbolischen Scheck über diese Summe. Mit dem Geld sollen Kindergärten und Schulen in den Townships von Südafrika und Namibia unterstützt werden.

"Wir haben uns nach innen wie außen hervorragend präsentiert und gewiss Anstöße für die Arbeit der Kollegen und für die öffentliche Diskussion gegeben“, zieht Walter Hiller ein zufriedenes Fazit der Abschlussveranstaltung der Jubiläumswoche. "Sicher hat auch die aktuelle Bildungsdebatte dazu beigetragen, dass das Interesse an unseren Angeboten so groß geworden ist.“

zk-cg

Herausgeber: Bund der Freien Waldorfschulen
Walter Hiller, Wagenburgstraße 6, 70184 Stuttgart, Tel. 0711-2104225, hiller@waldorfschule.de

Redaktion: Zeeb Kommunikation, Anja Dowidat, Hohenheimer Str. 58a, 70184 Stuttgart Tel. 0711-6070719, info@zeeb.info

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