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Schulvielfalt wider Zentralabitur: Waldorfschulen arbeiten an einer neuen Prüfungsform 

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Kommt jetzt die waldorfeigene Hochschulzugangsberechtigung?

(Stuttgart) – Die deutschen Waldorfschulen streben eine eigene Hochschulzugangsberechtigung sowie eigene mittlere Bildungsabschlüsse an, die den Lehrinhalten der Waldorfpädagogik entsprechen. Um es durchzusetzen, wollen die Waldorfschulen unter Umständen bis zum Europäischen Gerichtshof gehen. Der Weg dahin ist jedoch noch weit. Zunächst muss eine waldorfspezifische Prüfungsform für den Nachweis der Hochschulreife vorgelegt werden. Dann wird begonnen, um staatliche Anerkennung zu ringen.

Das Zentralabitur, wie es beispielsweise in Baden-Württemberg und Bayern gilt, und die im Grundgesetz verankerte Schulvielfalt sind ein Widerspruch. Das ist die inhaltliche Ausgangslage, vor deren Hintergrund die Waldorfschulen an einer konkreten Prüfungsform für eine eigene Hochschulzugangsberechtigung arbeiten. "Wir sind nicht unbedingt für zentrale Prüfungen", sagt Hans-Jürgen Bader, Justiziar des Bundes der Freien Waldorfschulen, "aber wenn diese schon kommen, dann sollten sie für die verschiedenen Schularten differenziert werden, so auch in Form eines zentralen Waldorfabiturs."

In einem weiteren Schritt müsste das neue Prüfungskonzept von den zuständigen Ministerien abgenommen werden. Da rechnet man beim Bund der Freien Waldorfschulen allerdings mit massivem Widerstand. Für die Anerkennung soll aber mit allen Mitteln gekämpft werden, in letzter Konsequenz auch auf dem Klageweg vor den deutschen und europäischen Gerichten.

Geprüft wird, was gelehrt wird - das sei der rechtliche Rahmen für die Prüfungskonditionen, erklärt Bader. Der Lehrplan der Waldorfschulen sei staatlich genehmigt, insofern sehe man keinen Grund, warum nicht für eine Hochschulzugangsberechtigung und eigene mittlere Bildungsabschlüsse dasselbe gelten sollte. "Die zweifache Vorbereitung für den Schulabschluss ist für die Schüler eine unzumutbare Doppelbelastung", so Bader weiter. Bislang bereiten sich deutsche Waldorfschüler nach zwölf Jahren Unterricht ein weiteres Jahr lang auf das von staatlichen Pädagogen abgenommene Abitur vor, um an den Prüfungen für die staatlich anerkannte Hochschulreife teilzunehmen.

Bestätigt sieht sich der Bund der Freien Waldorfschulen in seiner Forderung nach einer eigenen Hochschulzugangsberechtigung durch die Erfolge von Schulen in den skandinavischen Ländern, die in der Pisa-Studie, derzeit das Maß der Dinge in der Bildungsdebatte, am besten abgeschnitten haben. Schwedische Waldorfabsolventen ohne externe Prüfung dürfen nicht nur im eigenen Land studieren, sondern aufgrund einer europäischen Konvention auch an deutschen Universitäten.

„Der Pisa-Gewinner Finnland unterrichtet nach Prinzipien, die in der Waldorfpädagogik schon lange gelten“, stellt Hans-Jürgen Bader die Debatte in einen erweiterten Zusammenhang. Dies hob in einem kürzlich erschienenen Artikel des "Spiegel" auch der Hamburger Erziehungswissenschaftler Peter Struck hervor, der als ein kritischer Wegbegleiter der Waldorfpädagogik gilt. „Es hat durchaus einen Sinn, dass die Waldorfschulen einen eigenen Lehrplan haben", sagt der Justiziar des Bundes der Freien Waldorfschulen. Man setze eben pädagogisch andere Schwerpunkte als die staatlichen Schulen. So spiele nach Steiners Lehre beispielsweise die projektive Geometrie eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Denkens. Die weit verbreitete Ansicht, die Waldorfabsolventen verfügten nicht über die nötigen Kenntnisse, um an der Universität bestehen zu können, will Bader nicht gelten lassen. "Spezielles Faktenwissen verliert als Vorbereitung für die Hochschul-Ausbildung immer mehr an Bedeutung." Wichtig seien dagegen gerade an der Universität Kreativität und individuelle Fähigkeiten. Die Heranbildung von selbstständigen, ausgereiften Persönlichkeiten steht im Zentrum der Waldorfpädagogik.

zk-cg

>>> Vorschau: Aktionswoche zum 85-jährigen Jubiläum

Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 85-jährigen Bestehen der Waldorfpädagogik veranstalten die Waldorfeinrichtungen eine groß angelegte bundesweite Aktionswoche, die vom 25. September bis zum 2. Oktober in zahlreichen deutschen Städten stattfindet. Höhepunkt der Aktionswoche ist die zentrale Abschlussveranstaltung in Stuttgart am 2. Oktober. Organisiert wird das Finale federführend vom Bund der Freien Waldorfschulen e.V.. Altbundespräsident Johannes Rau hat die Schirmherrschaft dafür übernommen. Mit einer Erlebnismeile in der Stuttgarter Innenstadt, einem hochkarätigen Programm auf der Großbühne sowie interessanten Podiumsgesprächen wollen die Waldorfschulen die Aktualität und Vielfalt ihrer Pädagogik erlebbar machen. Eine ausführliche Presseinformation zur Aktionswoche folgt. Pressekonferenzen zur Aktionswoche finden in Berlin am 23.9. und in Stuttgart am 22.9. statt.

Über den Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Die deutschen Waldorfschulen haben sich zu einem Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr. Korporative Mitglieder sind derzeit 187 Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen sowie acht Seminare/Hochschulen für Waldorfpädagogik. Daneben gibt es rund 2.700 persönliche Mitglieder.

Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart eröffnet. Nach 85 Jahren Waldorfpädagogik gibt es heute weltweit rund 900 Waldorfschulen sowie 2.000 Kindergärten und Förder-Einrichtungen.

Herausgeber: Bund der Freien Waldorfschulen

Walter Hiller, Wagenburgstraße 6, 70184 Stuttgart, Tel. 0711-2104225, hiller@waldorfschule.de

Redaktion: Zeeb Kommunikation

Anja Dowidat, Hohenheimer Straße 58a, 70184 Stuttgart, Tel. 0711-6070719, info@zeeb.info

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