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Mensch und Computer

Mensch und Computer

von Ernst Schuberth

Zur Begründung der Freien Waldorfschule in Stuttgart 1919 legte Rudolf Steiner durch drei Kurse das Fundament für die von ihm begründete Pädagogik. Darin wird weitgespannt ein Verständnis des Menschen entwickelt. Aus diesem Verständnis heraus werden Ratschläge für die Erziehung des Kindes bis in die methodische Handhabung der Fächer gegeben.' In einem dieser Vorträge stellt Steiner die Notwendigkeit dar, für das ältere Schulkind ein Verständnis der technischen Umwelt zu entwickeln . Er weist dabei auf die nachteiligen Folgen einer unverstandenen Technik hin, die im Unterbewussten Ängste auslöst und den Menschen nicht an den Gedanken teilnehmen lässt, welche andere Menschen in dieser Technik realisiert haben. So geht es nicht nur um das positive Verstehen von Technik, sondern um dessen psychische Bedeutung und um das Wecken eines sozialen Interesses.

Mit dieser Anregung zu einem - in allgemeinbildenden Schulen keineswegs selbstverständlichen - Technologieunterricht legte Steiner einen Keim, der mit der technischen Entwicklung auch immer neue Aufgabenstellungen hervorbringt. Die elektronische Datenverarbeitung stellt die zur Zeit wohl aktuellste Herausforderung an die Waldorfpädagogen dar. Diese Technik hat Folgen, die in vieler Hinsicht weit über die Wirkungen der vorangehenden technischen Revolutionen hinausgehen. Sie betreffen nicht nur Produktivitätssteigerungen, neue Produktentwicklungen, Änderungen im Kommunikationsbereich u.a.m., sondern sie rufen tiefgreifende soziale Wandlungen hervor. Es gibt kaum einen Bereich gesellschaftlichen oder individuellen Lebens, der nicht durch die Möglichkeiten, welche die Datenverarbeitung bietet, in neuem Licht gesehen werden kann.

Im Sinne der Waldorfpädagogik wird jeder Lehrer, der dieses Thema aufgreift, seine besonderen Gesichtspunkte entwickeln. Soweit ich es überschaue, lassen sich die Aufgaben aber in vier Hauptfragen gliedern:

  1. Was ist ein Computer, warum kann er tun, was er tut? Speziell: In welchem Verhältnis stehen seine Funktionen zum menschlichen Denken?
  2. Was ist zu lernen, um diese Technik sinnvoll anwenden zu können?
  3. Was sind die Wirkungen dieser Technik auf die menschliche Gesellschaft und den Einzelnen? (Technikfolgen-Abschätzung)
  4. Welche kompensatorischen erzieherischen Maßnahmen sind notwendig, um möglichen negativen Auswirkungen dieser Technik vorzubeugen.

Auguste Rodin: Der Gedanke
Auguste Rodin: "Der Gedanke"

Künstliche Intelligenz und menschliches Denken

Was ist ein Computer, und warum kann er tun was er tut? in weichem Verhältnis stehen seine Funktionen zum menschlichen Denken?

Die Frage, was es heißt, einen Computer zu verstehen, kann auch unter Fachleuten zu langen und durchaus kontroversen Diskussionen führen. Denn einerseits liegen der Datentechnik Prozesse zugrunde, die rein physikalisch zu verstehen sind, andererseits hat es der Informatiker mit Begriffssystemen und Gedankenformen zu tun, für welche die physikalische Realisierung nur von bedingtem Interesse ist. Die Ausdrücke Hardware und Software benennen in etwa diese beiden Aspekte, ohne allerdings die wechselseitige Bedingtheit in der realen Anwendung sichtbar zu machen.

Die meisten Waldorflehrer, die sich der Informatik zuwandten, sind den "technologischen" Weg gegangen: Ausgehend von einfachen logischen Schaltungen wird gezeigt, was das Spezifische dieser Technik ist und warum eine Maschine physikalische Zustände so miteinander verknüpfen kann, als wenn menschliches Urteilen darin wirksam wäre. Als einfache Beispiele bieten sich dafür Fahrstuhlsteuerungen, Rechenwerke und Ähnliches an. <...>

Das komplette Heft 7 ist zu beziehen über
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