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Leserbrief an die FAZ zum Artikel von
Heike Schmoll vom 24. Mai 2007

„Angehende Klassenlehrer in Waldorfschulen unterrichten bis Klasse zehn acht Fächer“, schreibt Heike Schmoll in der FAZ vom 24. Mai 2007. Tatsächlich unterrichten Klassenlehrer maximal bis Klasse acht, manche von Fachlehrern ergänzt; in den Niederlanden nur bis zur Klasse sechs, und andere Schulen entscheiden bei jedem Lehrer individuell, in welchem Maße er in der 7. und 8. Klasse noch weiter unterrichten darf. Die Waldorfschule auf dem Engelberg pionierte ein Mittelstufenmodell mit einem eigenen Mittelstufenkollegium für die Klassen 7, 8 und 9. Die bereits 80-jährige Praxis der Waldorfschulen und deren vielfältige Weiterentwicklungen sind offensichtlich an Heike Schmoll komplett vorbeigegangen.

So geht es dann munter weiter: Schmoll zitiert ein  Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster vom 20. März 1992, scheint aber nicht zu wissen, dass das  Bundesverwaltungsgericht bereits am 23. Juni 1993 die Gleichwertigkeit der Waldorflehrerausbildung mit der staatlichen Hochschulausbildung festgestellt hat. Dann behauptet sie, Waldorfschulen seien Weltanschauungsschulen, offensichtlich ohne Kenntnis der Tatsache, dass der Begriff „Weltanschauungsschule“ im Grundgesetz einer ganz bestimmte Bedeutung zukommt und das Waldorfschulen sowohl aus eigenem Verständnis wie aus dem Verständnis der Grundgesetzes keine Weltanschauungsschulen sind.

Weiterhin macht sie – offensichtlich auch hier ungeprüft – die falsche Tatsachenbehauptung, dass Waldorfschulen an Pisa nicht teilgenommen haben: viele Schulen taten das in der Bundesrepublik, der Bund der Waldorfschulen hatte sich sogar für eine verstärkte Teilnahme eingesetzt, die letztlich nur an der Finanzierung seitens des PISA Konsortiums scheiterte. Dafür gab es bei beiden PISA Untersuchungen eine Vollerhebung der Waldorfschulen in Österreich.  Die Ergebnisse lassen sich sehen (siehe z.B. www.waldorf-schoenau.at/Pisastudie.pdf ). So lagen z.B. im Bereich Problemlösen die WaldorfschülerInnen 26 Testpunkte über dem OECD-Mittelwert von 500 und damit auch über dem österreichischen Mittelwert.

Was Heike Schmoll über die Lehreraubildung schreibt, zeichnet kein vollständiges Bild: in der Waldorfklassenlehrerausbildung wird die Gleichwertigkeit in der Ausbildung durch eine ganzheitliche Studienmethode, die einen wissenschaftlichen, künstlerischen und praxisorientierten Ausbildungsweg integriert, sichergestellt. Der zeitliche Studienaufwand ist in seinem Pflichtbereich dabei erheblich größer als in der staatlichen Lehrerausbildung.

Sollte Frau Schmoll irgendwann tatsächlich zum Thema recherchieren wollen, sei ihr noch ein Blick in die im Februar 2007 erschienene wissenschaftliche Absolventenstudie verschiedener Hochschulen von Heiner Barz und Dirk Randoll empfohlen: darin bestätigen dreiviertel der befragten ehemaligen Waldorfschüler, dass ihre Lehrer kompetent unterrichteten. Sie waren stark engagiert und besonders an den Schülern interessiert, so dass diese sich von ihnen persönlich ernst genommen und unterstützt  fühlten. Dazu kommt, dass von den Waldorfschulen mehr als doppelt so viele Schüler mit allgemeiner Hochschulreife abgehen als von den staatlichen Schulen. Vielleicht sollte sich Frau Schmoll zukünftig die Mühe einer Nachfrage bei dafür kompetenten Stellen wie z.B. beim Bund der Freien Waldorfschulen machen. Dann hätte sie zumindest die Offenlegung ihrer erstaunlichen  Uninformiertheit vermeiden können, die man sonst weder von ihr noch von der FAZ gewohnt ist.

Thekla Walker und Peter Augustin,
Öffentlichkeitsarbeit, Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
oeffentlichkeitsarbeit@waldorfschule.de

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