Nicht nur abgerundete Ecken und sanfte Linien:

Neuer Bildband widerlegt gängige Vorurteile zum Waldorfschulbau

Stuttgart, 4. März 2010. Waldorfschulbauten werden in der Öffentlichkeit mit einem bestimmten Bild in Verbindung gebracht: abgerundete Ecken, pastellfarbene Raumgestaltung und die Verwendung von Naturmaterialen gelten als „typisch Waldorf“.  Diese  Vorstellung wird von einem Bildband korrigiert, der jetzt als Heft 69/70 der Zeitschrift „Mensch und Architektur“ erschienen ist. „Waldorfschulbau im Wandel“ ist sein Titel, herausgegeben wird er von der Pädagogischen Forschungsstelle im Bund der Freien Waldorfschulen.

 

Freie Waldorfschule Greifswald Freie Waldorfschule Greifswald
Umnutzung einer Kaserne
Fertigstellung einzelne Bauabschnitte 2000/2004/2007 -
Architekten: Ardes-Planbüro, Hans-Georg Meyer, Greifswald

Freie Waldorfschule Greifswald

Freie Waldorfschule Prien
Klassentrakt und Sporthalle
Fertigstellung 2004
Architekten: Peter Schorr, Vachendorf; Klaus Helbich, Rosenheim

Freie Waldorfschule Prien

Freie Waldorfschule Prien

Das Buch zeigt, welche Formenvielfalt in der Bautätigkeit der Waldorfschulen vor allem seit der Jahrtausendwende entstanden ist. Für die Autoren des Hefts wird hier ein bewusster Bruch mit dem früheren Waldorfstil deutlich. Kennzeichnete die klassische Waldorfschule der achtziger Jahre ein eher schützend-behütender Baustil, so dominieren heute lichtdurchflutete, transparente Raumgestaltungen und filigrane Holzständerkonstruktionen.

Charakteristisch für die Bautätigkeit der Waldorfschule insgesamt ist die Suche nach den inneren Zusammenhängen zwischen Architektur und Pädagogik – ein Thema, das im gegenwärtigen staatlichen Schulbau gerade neu entdeckt wird. So machte auch der bekannte Bildungsautor Reinhard Kahl im März 2009 mit einer Tagung in Münster unter dem Titel „Der dritte Pädagoge“ auf diese Thematik aufmerksam. (Link: http://www.adz-netzwerk.de/Konvent-Muenster)

Der Begründer der Waldorfschule, Rudolf Steiner hat selbst nie ein Gebäude für eine Schule entworfen oder gebaut oder dazu Hinweise hinterlassen. Nur eine Gesprächsnotiz von ihm ist zum Thema überliefert: „ Ein Schulbau ist ein künstlerisch gestalteter Utilitaritätsbau.“
So setzten die Architekten bei der Frage an, wie der Raum Körper, Seele, Geist und Ich des Menschen angemessen ansprechen kann. Dabei legten sie die Angaben von Rudolf Steiner zu den Wesensgliedern des Menschen zugrunde.

Ein Aufsatz in dem Buch ist den Waldorfschulbauten in aller Welt gewidmet. Auch hier zeigt sich eine Tendenz zur Umnutzung bereits vorhandener Bauten, die vom Autor des Beitrags als oft origineller und phantasiereicher als die Neubauten beschrieben werden.

Freie Waldorfschule Freiburg St.Georgen

Waldorfschule Freiburg Str. Georgen

Freie Waldorfschule Freiburg-St.Georgen
Erweiterungsbau für Unterstufe, Hort, Eurythmieräume und Festsaal
Fertigstellung 2008
Architekten: Lederer + Ragnasdóttir + Oei, Stuttgart


Waldorfschulbauten belegen, wie Menschen Sozialprozesse künstlerisch gestalten können. „Die Waldorfschule lebt“ – und ihre Architektur erzählt vielfältig davon – das könnte das Motto dieser eindrucksvollen Publikation sein.

 

Freie Waldorfschule Böblingen

Rudolf Steiner Schule Bochum
Freie Waldorfschule Böblingen/Sindelfingen
Klassentrakt
Fertigstellung: 1999
Architekt: Joachim Eble, Tübingen
Widar Schule, Waldorfschule in Bochum-Wattenscheid
Festsaal mit Mensa, Bewegungs- und Gruppenräume
Fertigstellung September 2009
Architekten: 9 Grad architecture, Yaike Dunselmann, Inken Feddersen,
Lars Frerichs, Amersfoort/Oldenburg, Arge mit bauleitendem Architektenbüro
Hesse u. Chilinski Architekten

Hrsg.: Fördergesellschaft Internationales Forum Mensch und Architektur Deutschland e.V. Waldorfschulbau im Wandel,   Mensch + Architektur Heft 69/70 Oktober 2009 ISSN 1616-4024 Preis: 15 Euro plus Versandkosten zu beziehen bei: Druck – und Medienzentrum Gerlingen GmbH, z.Hdn. Frau Inverso, Postfach 1002 22,  70827 Gerlingen, E-Mail: waldorfbuch@dmzg.de

Über den Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Die deutschen Waldorfschulen haben sich zu einem Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr. Korporative Mitglieder sind derzeit 217 Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen sowie elf Seminare/Hochschulen für Waldorfpädagogik. Daneben gibt es rund 1.900 persönliche Mitglieder.
Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart eröffnet. Nach 90 Jahren Waldorfpädagogik gibt es heute weltweit über 1.000 Waldorfschulen sowie 2.000 Kindergärten und Förder-Einrichtungen in allen Erdteilen, darunter auch in Israel, Südafrika und Ostasien.

Ansprechpartner:                
Cornelie Unger-Leistner        
Wagenburgstraße 6, 70184 Stuttgart                    
Tel. 0711-2104225                    
unger@waldorfschule.de