Prof. Fthenakis: Bildungssystem ein Haus ohne Treppen
11. Februar 09
Auf der Didacta fordert Experte eine grundlegende Wende in der Pädagogik - Ministerin Schavan bestätigt Bedeutung der Vielfalt
Hannover. Eine „kopernikanische Wende“ im deutschen Bildungssystem hat Prof. Wassilios Fthenakis, Präsident des didacta-Verbandes, auf der Bildungsmesse didacta in Hannover gefordert. Statt wie bisher die Institutionen müsse endlich das Kind in den Mittelpunkt der Bemühungen gestellt werden, sagte Fthenakis am 10. Februar in einem viel beachteten Vortrag auf der Sonderschaufläche „Bildungshäuser“.
In einem Gespräch mit Journalisten nach dem Vortrag betonte Fthenakis, dass die Waldorfschulen dabei durch ihr Menschenbild und ihren ganzheitlichen Ansatz einen Vorteil hätten.
Bildungsministerin Dr. Annette Schavan unterstrich in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung der Vielfalt in der Bildungslandschaft. Der Wettbewerb der Konzepte und Ideen sei eine Chance für pädagogische Innovation. Auf Nachfrage bestätigte sie, dass Waldorfschulen Teil dieser Vielfalt seien, die immer wieder auch pädagogische Impulse setzten.
In seinem Vortrag verglich Prof. Wassilios Fthenakis das Bildungssystem in Deutschland mit einem Haus, auf dessen einzelnen Etagen sich zwar die jeweiligen Architekten verwirklicht hätten, die Verbindungstreppen dazwischen seien jedoch vergessen worden.
So sei die grundlegende Philosophie des Kindergartens diametral verschieden zu der Philosophie der Schule. Im Kindergarten erschließe sich das Kind aktiv seine Umwelt selbst und lerne in einer anregenden Umgebung. In der Schule werde das Kind passiv, die Lehrperson aktiv in der Wissensvermittlung. Eine erfolgreiche Bildungsbiographie könne aber nur entstehen, wenn der sog. vorschulische und der schulische Bereich besser aufeinander abgestimmt seien.
Hier hätten die Waldorfschulen die Chance, mit einer ganzheitlichen Pädagogik und einem Menschenbild, das die ganze Entwicklung des Kindes in den Fokus nehme, erfolgreiche Pädagogik zu gestalten. „Pädagogik ohne ein Menschenbild wird nicht wirken“, erläuterte Prof. Fthenakis in einem Gespräch mit Journalisten.
Die Sonderschaufläche „Bildungshäuser“ auf der Didacta
(Halle 17, D39) dokumentiert anschaulich die geforderte Vielfalt im Bildungswesen, da sie im Zeichen des Dialogs zwischen den verschiedenen pädagogischen Ansätzen steht. Vertreter der Waldorfkindergärten und Waldorfschulen diskutieren mit anderen Ausstellern und Gästen. Im Anhang finden Sie das Programm der Sonderschau.
Weitere Informationen zur Waldorfpädagogik finden Sie außerdem auf dem Stand des Bundes der Freien Waldorfschulen (Halle 16, D 43)
Über den Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Die deutschen Waldorfschulen haben sich zu einem Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr. Korporative Mitglieder sind derzeit 212 Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen sowie acht Seminare/Hochschulen für Waldorfpädagogik. Daneben gibt es rund 1.900 persönliche Mitglieder.
Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart eröffnet. Nach 90 Jahren Waldorfpädagogik gibt es heute weltweit über 1.000 Waldorfschulen sowie 2.000 Kindergärten und Förder-Einrichtungen in allen Erdteilen, darunter auch in Israel, Südafrika und Ostasien.
Herausgeber:
Bund der Freien Waldorfschulen
Peter Augustin
Wagenburgstraße 6
70184 Stuttgart
Tel. 0711-2104240
pr@waldorfschule.de
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