Bund der Freien Waldorfschulen: Frontal 21-Sendung zur Lehrerbildung oberflächlich und nicht repräsentativ
Stuttgart. Der Bund der Freien Waldorfschulen hat in einem Brief an die Chefredaktion des ZDF der Berichterstattung der Sendung Frontal 21
vom 10.März über die Qualifikation der Lehrer an Waldorfschulen energisch widersprochen. Obwohl die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bundes umfangreiche Informationen zur Verfügung gestellt habe, sei das Thema „oberflächlich abgehandelt“ worden, heißt es in dem Schreiben. Einzelne Elternstimmen, die sich in der Sendung kritisch über die Qualität des Unterrichts an Waldorfschulen geäußert hätten, seien nicht repräsentativ.
Wäre das Niveau des Unterrichts so wie in der Sendung dargestellt, würde dies mit Sicherheit zu deutlichen Reaktionen von Seiten der Elternvertreter führen, schreibt Vorstandsmitglied Henning Kullak-Ublick in dem Brief weiter. Gerade die Waldorfleltern, von denen viele als Lehrerinnen und Lehrer an staatlichen Schulen unterrichteten, seien ein durchaus kritisches Publikum. Im Gegensatz zur Frontal 21-Berichterstattung erfreuten sich die Waldorfschulen gerade wegen ihres ganzheitlichen pädagogischen Konzeptes einer anhaltenden Nachfrage.
Wie aus dem Schreiben weiter hervorgeht, wurden in der Frontal 21-Sendung aktuelle wissenschaftliche Studien über die Waldorfschulen nicht berücksichtigt, was mit der Kürze des Beitrages begründet wurde. Auch hatte die Pressestelle des Bundes der Frontal 21-Redaktion noch am Tag der Sendung neue Informationen zum sehr guten Abschneiden der Waldorfschulen bei der PISA-Studie 2006 zum Thema Naturwissenschaften in Österreich zur Verfügung gestellt, die ebenfalls nicht erwähnt wurden.
Dass diese Ergebnisse ignoriert wurden, liege vermutlich daran, dass sie die Tendenz des Beitrags erheblich relativiert hätten, betont Kullak-Ublick in dem Schreiben an das ZDF: "Es fällt schwer, journalistische Objektivität zu erkennen, wenn dem Zuschauer themenbezogene Informationen vorenthalten werden.“
Eine nationale Sondererhebung im Rahmen der PISA-Studie Naturwissenschaften 2006, die vom österreichischen Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (Bifie) in Wien vorgelegt worden ist, kommt zu dem Ergebnis, dass „Freude am Lernen“ und „allgemeines Interesse an Naturwissenschaften“ bei den Waldorfschülern sehr hoch ausgeprägt sind. Mit beiden Merkmalen liegen die Waldorfschulen sowohl über den Ergebnissen der staatlichen Schulen in Österreich als auch über dem OECD-Mittelwert für alle Länder. Der Bericht des Bundesinstituts bescheinigt den Waldorfschulen eine im Vergleich zu den Regelschulen „vorbildliche Unterrichtspraxis“, da Experimente und die Anwendung des Gelernten im Vordergrund stünden. (Die Ergebnisse der PISA-Tests wurden für die Waldorfschulen in Deutschland nicht gesondert ausgewiesen.)
Von mangelhaftem Unterricht und einseitiger Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer an Waldorfschulen, wie von Frontal 21 behauptet, kann demnach nicht die Rede sein.
Pressemitteilung "Waldorfschüler: Freude und Interesse an Naturwissenschaft hoch ausgeprägt"
Herausgeber:
Bund der Freien Waldorfschulen
Peter Augustin
Wagenburgstraße 6
70184 Stuttgart
Tel. 0711-2104240
pr@waldorfschule.de
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