Bund der Freien Waldorfschulen: Neues Grandt-Buch ist unseriös und lässt jegliche journalistische Sorgfalt vermissen
05.09.2008
Stuttgart. Bund der Freien Waldorfschulen: Das so genannte „Schwarzbuch Waldorf“ des Autors Michael Grandt, das das Gütersloher Verlagshaus im September auf den Markt bringen will, ist ein Lehrstück schlechten Journalismus, das nicht sachlicher Aufklärung, sondern der Verunglimpfung eines Erfolgsmodells dient.
Der Vorstand des Bundes verwahrt sich auf das Schärfste gegen den Vorwurf des Autors, die Schulpraxis an den Waldorfschulen befinde sich nicht in Einklang mit den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland und weist darauf hin, dass bereits ein anderes Buch des Autors Grandt, das so genannte "Schwarzbuch Anthroposophie" vor zehn Jahren wegen zahlreicher Fehler von einem Wiener Verlag zurückgezogen wurde.
Die neue Publikation Grandts lässt jeglichen Ansatz journalistischer Sorgfalt vermissen. Wesentliche Aussagen Grandts sind Behauptungen ohne Quellenangaben. Wo Quellen genannt sind, sind diese oft veraltet oder falsch zitiert.Wissenschaftliche Studien, die gerade in jüngster Zeit zur Waldorfpädagogik erschienen sind und positive Ergebnisse für die Waldorfschulen nachweisen, werden nicht oder nur so wiedergegeben, dass sie in die Vorurteilsstruktur des Autors passen. Praxisbelege für seine absurden Unterstellungen konnte er an den Waldorfschulen offensichtlich nicht finden.
Bei den Kapiteln zur Waldorflehrerausbildung wird nicht darauf eingegangen, dass die Waldorflehrerseminare seit langem evaluiert werden und wie alle anderen Hoch- und Fachhochschulen derzeit einer starken Veränderung durch den Bologna-Prozess mit entsprechenden Anerkennungs- und Evaluierungsverfahren unterworfen sind.
Von einer „fundierten Kritik“, wie es Grandt behauptet, kann daher keine Rede sein. „Einziges Ziel der Publikation von Grandt ist es, mit exotischen Zitaten zur Anthroposophie die Waldorfschulbewegung zu verunglimpfen und damit Geld zu verdienen“, sagte Henning Kullak-Ublick vom Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen. Er verkaufe Tausende von Waldorfeltern und die staatlichen Behörden für dumm, weil sie angeblich nicht merkten, was hinter den Kulissen der Waldorfschule gespielt werde.
Kullak-Ublick betont, dass der Bund der Freien Waldorfschulen für Kritik und Anregungen offen sei. Im Januar dieses Jahres wurde beispielsweise der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Ullrich von der Gutenberg-Universität Mainz, der sich seit Jahren kritisch mit der Waldorfpädagogik auseinandersetzt, zu einer bundesweiten Tagung der Waldorfschulen zum Thema Qualität eingeladen. Grandts Buch sei dagegen kein sachlich fundierter Ansatz zu entnehmen.
Seine Behauptung, an Waldorfschulen werde Anthroposophie gelehrt, sei schlicht falsch und widerspreche den elementarsten Grundsätzen der Waldorfpädagogik. Im Gegensatz zu Grandts Behauptungen sind Waldorfschulen keine Weltanschauungsschulen: Sie werden daher auch nicht als solche, sondern als „Schulen besonderer pädagogischer Prägung“ von den Kultusministerien der Bundesländer geprüft und genehmigt.
Eine im Jahr 2007 vorgelegte Absolventenstudie (Heiner Barz, Dirk Randoll: Absolventen von Waldorfschulen. Eine empirische Studie zu Bildung und Lebensgestaltung. VS-Verlag Wiesbaden, Februar 2007) belege eindeutig, dass Waldorfschüler nicht nur nicht zur Anthroposophie erzogen, sondern ihren Schulen im Gegenteil eine überdurchschnittliche weltanschauliche und religiöse Toleranz zusprechen würden.
Ab sofort steht auf der Website des Bunds der Freien Waldorfschulen (www.waldorfschule.de) Material zu allen im so genannten Schwarzbuch angesprochenen Themen wie Qualitätsmanagement, Lehrerbildung und die Bedeutung der Anthroposophie für die Waldorfpädagogik zur Verfügung.
Pressekonferenz im Landtag in Kiel
Vorstandsmitglieder des Bundes der Freien Waldorfschulen stehen zum Thema als Gesprächspartner zur Verfügung bei der Pressekonferenz zu „Waldorf rockt“
im Landtag in Kiel
am Mittwoch, den 10.September um 16:15 Uhr
Pressezimmer des Landtages, Raum 395
Über den Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Die deutschen Waldorfschulen haben sich zu einem Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr. Korporative Mitglieder sind derzeit 212 Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen sowie acht Seminare/Hochschulen für Waldorfpädagogik. Daneben gibt es rund 1.900 persönliche Mitglieder. Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart eröffnet. Nach 87 Jahren Waldorfpädagogik gibt es heute weltweit über 1.000 Waldorfschulen sowie 2.000 Kindergärten und Förder-Einrichtungen in allen Erdteilen, darunter auch in Israel, Südafrika und Ostasien.
Herausgeber:
Bund der Freien Waldorfschulen
Peter Augustin
Wagenburgstraße 6
70184 Stuttgart
Tel. 0711-2104240
pr@waldorfschule
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