Waldorfpädagogik - bewährtes Konzept ohne Ländergrenzen

Vor den Landtagswahlen in der politischen Diskussion: Wege aus der Bildungsmisere


(Stuttgart) – Im Vorfeld der Landtagswahlen in drei Bundesländern am 26. März 2006 steht bei allen politischen Parteien auch die Bildung im Fokus, da diese vorwiegend Ländersache ist. Beide Pisastudien und die jüngste Kritik des Uno-Sonderberichterstatters Muñoz am deutschen Schulsystem haben ans Licht gebracht, dass das hiesige Bildungssystem grundlegender Reformen bedarf. Ganztagsschule, längerer gemeinsamer Unterricht oder gar die Infragestellung des dreigliedrigen Schulsystems – vieles wird diskutiert und propagiert. Die Freien Waldorfschulen setzen indes weiterhin auf ihr bewährtes und erfolgreiches pädagogisches Konzept. Dazu gehört auch ein einheitlicher – und länderübergreifender – zwölfjähriger Bildungsgang für alle Schüler.

Wer im Leben und im Beruf Erfolg haben will, für den spielt Bildung eine Schlüsselrolle, das gilt besonders in der modernen Wissens- und Informationsgesellschaft. Die Pisastudien und jüngst die Inspektionsreise des Uno-Sonderberichterstatters für Bildung, Vernor Muñoz Villalobos, der die Verwirklichung des Rechts auf Bildung untersuchte, stellten dem deutschen Schulsystem und der Bildungspolitik zum Teil sehr schlechte Noten aus. Kostenpflichtige Kindergärten, frühe Aufteilung der Schüler auf verschiedene Schultypen, mangelnde Integration von Migrantenkindern und ein enger Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg – so lauteten die wesentlichen Kritikpunkte von Muñoz.

Im Vorfeld der Landtagswahlen in gleich drei Bundesländern – Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt – am 26. März, spielt, angesichts dieser kritischen Bestandsaufnahmen und der Herausforderungen, vor denen das deutsche Bildungssystem steht, die Bildungspolitik eine zentrale Rolle. Dies gilt für alle Parteien, zumal Kultusangelegenheiten im föderalen bundesrepublikanischen System vorwiegend den Ländern obliegen. Doch die Themen, die diskutiert werden, sind zahlreich: dreigliedriges Schulsystem, Ganztagsschulen, längeres gemeinsames Lernen bis Klasse sechs oder gar neun, spätere Selektierung für weiterführende Schulen, Hochbegabtenförderung, früher Fremdsprachenunterricht und achtjähriges Gymnasium.

Die Waldorfschulen setzen – unabhängig von politischen Meinungstrends – weiterhin auf ihr seit Jahrzehnten bewährtes pädagogisches Konzept, das sich an der Entwicklung des Kindes orientiert. „Die Waldorfschulen haben seit ihrer Gründung im Jahr 1919 einen einheitlichen Bildungsgang für alle Schüler von Klasse eins bis zwölf“, sagt Pressesprecherin Thekla Walker. Das gemeinsame Lernen fördere die in den Leistungen schwächeren und die besseren Schüler gleichermaßen. Bestätigt sieht sich die Waldorfpädagogik auch durch die Schulpraxis in Pisa-Siegerländern wie Finnland, die, so Walker, „viele Methoden und Konzepte der Waldorfpädagogik einsetzen“. Auch der fächerübergreifende Unterricht oder das Erlernen einer Fremdsprache bereits in der Grundschule sei nach waldorfpädagogischem Konzept ein bewährtes Modell: Waldorfschüler lernen von der ersten Klasse an zwei Fremdsprachen, in jedem Fall Englisch und dazu noch Französisch oder Russisch. Auch die Ganztagsschule, die derzeit alle politischen Parteien favorisieren, ist an vielen Waldorfschulen längst Praxis. Und die aktuelle Förderalismusdebatte ist für Waldorf auch kein Thema: das pädagogische Konzept gilt nicht nur für alle Bundesländer; sondern weltweit für über 900 Schulen und 2.000 Kindergärten. zk-cg

Über den Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Die deutschen Waldorfschulen haben sich zu einem Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr. Korporative Mitglieder sind derzeit 197 Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen sowie acht Seminare/Hochschulen für Waldorfpädagogik. Daneben gibt es rund 2.700 persönliche Mitglieder.
Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart eröffnet. Nach 87 Jahren Waldorfpädagogik gibt es heute weltweit über 900 Waldorfschulen sowie 2.000 Kindergärten und Förder-Einrichtungen.

Herausgeber:
Bund der Freien Waldorfschulen, Thekla Walker, Wagenburgstraße 6, 70184 Stuttgart
Tel. 0711-2104225 - walker@waldorfschule.de       

Redaktion:
Zeeb Kommunikation, Anja Dowidat, Hohenheimer Str. 58a, 70184 Stuttgart
Tel. 0711-6070719 – info@zeeb.info