
Selbstverständlich sind weitere Bemühungen notwendig und willkommen, alle beteiligten Personen und Institutionen inhaltlich, personell und materiell in diesem Erziehungs- und Bildungsauftrag zu unterstützen und zu fördern. Dazu gehören wissenschaftliche Studien und pädagogische Forschungen ebenso wie rechtliche Absicherungen (z. B. das Recht auf einen Kindergartenplatz) oder finanzielle Hilfen für Familien und Einrichtungen. Auch wird sich niemand in den Weg stellen, wenn es darum geht, die Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten für Erzieherinnen und Erzieher weiter zu verbessern.
Darüber hinaus wird es auch um eine bessere Personalausstattung in den Einrichtungen und um kleinere Gruppen gehen müssen. Die Auffassung, Kindergartengruppen könnten ruhig groß, aber Oberstufenklassen müssten klein sein, ist zumindest was die Kindergartengruppen betrifft nicht länger haltbar. Auch im Bereich der Zusammenarbeit von Kindergarten und Schule ist noch einiges zu intensivieren und zu verbessern. Dabei kann es nicht damit getan sein, dass die Schule Vorgaben und Erwartungshaltungen zum Bildungsniveau formuliert, vielmehr muss auch sie sich fragen, wie sie den im Kindergarten begonnenen Erziehungs‑ und Bildungsprozess besser aufgreift und weiterführt.
Alle Versuche allerdings, das letzte Kindergartenjahr für die sechs bis siebenjährigen Kinder abzukoppeln und damit durch die Hintertür den allgemeinen Schuleintritt vorzuverlegen, gehen an den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder vorbei. Zumal Eltern, die im Einzelfall eine frühere Einschulung wollen, bereits jetzt diese Möglichkeit haben.
Viele wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Vorverlegung des Einschulungsalters nicht den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder entspricht und sich vielmehr schädigend auf ihr jetziges und späteres Leben auswirken kann. Keine Untersuchung konnte stichhaltig belegen, dass ein früherer Schuleintritt sowohl zu einer deutlichen Leistungssteigerung wie auch zu einem Zuwachs an Freude, Glück, Sozialkompetenz und Selbstsicherheit führte.
Eltern, die sich und ihre Kinder nicht unter einen unsinnigen und eher schädlichen Zeitdruck setzen, dafür ihren Kindern Zeit zur Entfaltung lassen, dienen damit dem Wohl ihrer Kinder und unserer Zukunft.
Grundlegend formulierte Nelson Mandela 1998 die Zeitaufgabe anlässlich der Einweihung eines waldorfpädagogischen Zentrums in Südafrika deshalb so: »Eine Gesellschaft offenbart sich nirgendwo deutliche als in der Art und Weise wie sie mit ihren Kindern umgeht. Unser Erfolg muss am Glück und Wohlergehen unserer Kinder gemessen werden, die in einer jeden Gesellschaft zugleich die verwundbarsten Bürger und deren größter Reichtum sind.«
Artikel aus der Broschüre "Lasst den Kinder Zeit - Erziehung und Bildung für Kinder bis zur Schulfähigkeit" von Peter Lang aus der Reihe "Recht auf Kindheit - ein Menschenrecht" herausgegeben von der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V., Stuttgart.