Herbsttagung 2012
Bewegung und Spiel - Quellen der Pädagogik
Donnerstag, 25. Oktober bis Sonntag, 28. Oktober 2012
Waldorfschule Uhlandshöhe, Stuttgart
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Der (Eigen-)Bewegungssinn gibt uns die Empfindung, ein frei bewegliches Selbst zu sein; und jedes Lernen beginnt mit dieser Erfahrung. So wie das äußere Aufrichten des kleinen Kindes die Ausbildung von Sprechen und Denken nach sich zieht, bildet die weitere motorische Entwicklung die wesentliche Grundlage für innere Beweglichkeit. Wenn Lernen bedeutet, dass Kinder ihre Wirksamkeit in der Welt erweitern und differenzieren, so liegt die Quelle dafür immer in der eigenen Bewegung. Erziehungskunst hat daher die Aufgabe, die inneren Bewegungsimpulse der Kinder zu erkennen, zu fördern und in innerlich geführte Bewegungen zu verwandeln.
Im Jahr 2012 sind genau 100 Jahre vergangen, seitdem Rudolf Steiner die Eurythmie als neue Bewegungskunst geschaffen hat. Sie hat in der Waldorfschule von Anfang an einen herausragenden Beitrag für die Pflege der inneren und äußerlichen Beweglichkeit der Heranwachsenden geleistet. Das ist einer der Gründe, warum sich die Vorbereitungsgruppe für das diesjährige Thema entschieden hat. Die Eurythmie wird daher durch einen Vortrag und eine festliche Aufführung einen besonderen Schwerpunkt dieser Tagung bilden.
Die Qualität des Menschlichen erhält die Bewegung durch das freie, spielerische Erproben der eigenen Möglichkeiten: Der Mensch "ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." Dieser Satz Friedrich Schillers unterstreicht ein wesentliches Element der Waldorfpädagogik: Kinder und Jugendliche sollen die eigene Wirksamkeit im spielerischen Umgang mit ihren seelischen und leiblichen Fähigkeiten erfahren. Wer dies als belanglose Kuschelpädagogik belächelt, verkennt die Ernsthaftigkeit, mit der sich Kinder in ihr Spiel vertiefen. Gerade in ihrer Hingabe, in der angestrengten Bemühung und schließlich in der engagierten Suche nach dem eigenen Urteil zeigt sich eine verwandelte und verinnerlichte Form des Spiels als Quelle des Lernens. Die Schule kann diesen eigenen Impuls der jungen Menschen aufgreifen und einen Raum schaffen, in dem ein menschliches Lernen möglich ist.
Peter Loebell
Zeitgleich und in engem Zusammenhang mit der Tagung finden die Fachtagungen Eurythmie, Fremdsprachen, Geographie, Handarbeit, Religion und Sport statt. Die Anmeldung hierzu läuft zusammen mit der Anmeldung für die allgemeine Herbsttagung.
Literaturanregungen:
R. Steiner, Die gesunde Entwickelung des Menschenwesens, 6. Vortrag, 28.12.1921, GA 303
Für die weitergehende Beschäftigung:
R. Steiner, Allgemeine Menschenkunde, 10. Vortrag, Stuttgart, 1.9.1919 in GA 293
